Die Türkei — ‚Das Ding auf der Schwelle‘: by Jochen Walter (auth.)

By Jochen Walter (auth.)

Die Arbeit analysiert die sich um den (bisher nicht erfolgten) türkischen Beitritt zu den europäischen Gemeinschaften entspannenden Diskurse über die Grenzen und das Wesen Europas - mit oder ohne der Türkei - in historischer Perspektive. In der Kombination grundlegender theoretisch-methodologischer Überlegungen zur examine Europas als "essentially contested notion" mit einer empirisch durchgeführten Diskursanalyse, die mehr als forty Jahre deutscher und britischer Presseberichterstattung umfasst (1960-2004), kann ein komplexes Bild europäischer (De-)Konstruktionsprozesse vorgelegt werden. Bemerkenswert erscheint dabei insbesondere der Befund, dass die Türkei nicht einfach "das Andere" Europas darstellt, sondern vielmehr als ein "Dazwischen" wahrgenommen wird.

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Auch genannt Othering – zu gewinnen. Untersucht werden muss dann, was als ein Anderes konstruiert wird und wie dies geschieht und zur eigenen, kontrastierenden Identifikation genutzt wird. 5. Europas Andere(s) In der Literatur findet sich eine Vielzahl möglicher Anderer Europas, die als Kontrastfolie zur europäischen Identitätsbildung benutzt wurden bzw. werden: der Islam, der Orient, die Sowjetunion bzw. 35 Nachfolgend soll skizziert werden, wie diese verschiedenen Anderen zur europäischen Identitätsbildung benutzt und konstruiert wurden aber auch, inwiefern ein Anderes im Verlauf der Geschichte immer auch zu einem Eigenen werden kann.

Said 1997). Im Zuge des Orientalismus-Diskurses wird der Orient hervorgebracht und gleichzeitig als eine scheinbar objektive Realität Europa bzw. dem Westen diametral gegenübergestellt. Europa bzw. der Westen wird als genau das konstruiert, was der Orient nicht war und ist damit genau so ein Resultat von Diskursen, wie der Orient: „the identity of the West came to rest on a negation, the denial of the Orient“ (Delanty 1995: 89). Europäische Identität wird über die Attribution bestimmter Eigenschaften konstruiert: Während dem Orient bzw.

Und selbst wenn man die demokratisch-laizistische Verfasstheit der türkischen Republik bezweifelt, warum sollte dies Europa übermäßig interessieren, geschweige denn zu einer abgrenzenden Identitätskonstruktion verleiten? Die türkische Herausforderung liegt mutmaßlich in einem anderen Punkt begründet: Sie will Mitglied des sich politisch verfassenden Europas werden, und verlangt bzw. erbittet bereits seit Jahrzehnten die Aufnahme in die europäischen Gemeinschaften. 43 Damit rührt die Türkei an einen wunden Punkt der europäischen (Selbst-) Konstruktion: sie kann sich nicht über einen archimedischen Punkt definieren, sie findet keine einfache Einheitsformel über die sie sich abschließen könnte.

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